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Resilienz stärken als Mama: Was wirklich hilft

Es gibt diese Tage, an denen eigentlich gar nichts Außergewöhnliches passiert ist und du abends trotzdem völlig leer bist. Du hast gearbeitet, Kinder versorgt, an Termine gedacht, Streit begleitet, vielleicht noch schnell eingekauft und zwischendurch versucht, für alle ansprechbar zu bleiben. Irgendwann sitzt du da und denkst: Warum bringt mich das alles inzwischen so schnell an meine Grenzen? Früher war ich doch belastbarer.

Viele Mütter kennen dieses Gefühl. Muttersein ist eng verbunden mit Liebe, Nähe und Sinn. Gleichzeitig bringt es eine enorme Verantwortung mit sich. Kinder, Beruf, Partnerschaft und Haushalt sollen irgendwie zusammenpassen. Dazu kommt die unsichtbare Aufgabe, alles im Blick zu behalten. Wer braucht neue Schuhe? Wann ist der Elternabend? Was beschäftigt mein Kind gerade? Was muss morgen unbedingt erledigt werden?

Wenn dieser Zustand über lange Zeit anhält, geht es irgendwann nicht mehr darum, sich einfach „ein bisschen zusammenzureißen“. Dann brauchen wir Fähigkeiten, die uns helfen, auch unter schwierigen Bedingungen psychisch beweglich zu bleiben. Genau hier setzt Resilienz an.

Was Resilienz wirklich bedeutet

Resilienz meint unsere psychische Widerstandskraft. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit Stress, Krisen und größeren Herausforderungen umzugehen, uns anzupassen und nach Belastungen wieder mehr Stabilität zu gewinnen.

Resilient zu sein bedeutet dabei ausdrücklich nicht, alles wegzustecken. Eine resiliente Mutter ist nicht diejenige, die immer ruhig bleibt, nie zweifelt und noch mehr aushält. Resilienz zeigt sich vielmehr darin, wahrzunehmen, wenn etwas zu viel wird, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, Unterstützung zu nutzen und nach schwierigen Phasen wieder Handlungsspielraum zu gewinnen.

Die Forschung versteht Resilienz heute nicht einheitlich als feststehende Persönlichkeitseigenschaft. Sie wird häufig als dynamischer Prozess verstanden, an dem persönliche Fähigkeiten, Beziehungen und äußere Lebensbedingungen beteiligt sind. Entsprechend unterscheiden sich auch die Modelle zur Resilienzförderung. Je nach Ansatz findest du sechs, sieben oder acht Resilienzfaktoren und teilweise andere Bezeichnungen. Inhaltlich gibt es jedoch sehr große Überschneidungen. Für meine Arbeit nutze ich ein an verschiedene Resilienzmodelle angelehntes Sieben-Faktoren-Modell. (Es dient als Orientierung und ist keine einheitlich wissenschaftlich festgelegte oder abschließende Liste.)

Warum Resilienz für Mütter so wichtig ist

Mütter haben nicht grundsätzlich „zu wenig Resilienz“. Im Gegenteil: Viele bewältigen über Jahre eine enorme Menge an Anforderungen. Das Problem entsteht, wenn Belastung und verfügbare Ressourcen dauerhaft nicht mehr zusammenpassen. Mental Load hält den Kopf beschäftigt. Fehlende Erholungsräume lassen wenig Gelegenheit, neue Kraft aufzubauen. Dazu kommen gesellschaftliche Erwartungen und der eigene Anspruch, fürsorglich, geduldig, beruflich kompetent und möglichst auch noch zufrieden dabei zu sein. Viele Frauen fühlen sich außerdem für die emotionale Stimmung in der Familie überwiegend verantwortlich.

Resilienz kann diese Rahmenbedingungen nicht wegzaubern. Und sie sollte niemals dazu missverstanden werden, Mütter lediglich noch belastbarer für schlechte Bedingungen zu machen. Sie kann dir aber helfen, deinen Handlungsspielraum innerhalb dieser Bedingungen zu vergrößern: klarer zu erkennen, was du beeinflussen kannst, Grenzen früher wahrzunehmen, Hilfe zu nutzen und deinen eigenen Weg nicht aus den Augen zu verlieren.

Resilienz stärken als Mama: Die sieben Resilienzfaktoren

Die sieben Faktoren beschreiben persönliche, zwischenmenschliche und handlungsbezogene Ressourcen, die du im Laufe deines Lebens weiterentwickeln kannst.

Optimismus bedeutet nicht, dir einen schwierigen Alltag schönzureden. Ein realistischer Optimismus lautet nicht: Alles wird schon irgendwie wunderbar. Sondern eher: Es ist gerade schwierig. Aber es kann sich wieder etwas verändern und ich kann Einfluss darauf nehmen.

Gerade unter Dauerstress richtet sich unsere Aufmerksamkeit leicht auf alles, was nicht funktioniert. Vielleicht siehst du abends vor allem den Moment, in dem du dein Kind angefahren hast, und kaum noch die vielen Situationen, in denen du liebevoll begleitet, organisiert oder getragen hast. Resilienz bedeutet hier, den Blick wieder zu weiten.

Akzeptanz wird leicht missverstanden. Etwas anzunehmen bedeutet nicht, es gutzuheißen oder resigniert hinzunehmen. Es bedeutet zunächst: So ist es gerade.

Vielleicht ist dein Kind aktuell in einer anstrengenden Entwicklungsphase. Vielleicht kannst du eine berufliche Situation im Moment nicht verändern. Vielleicht bist du erschöpfter, als du gerne wärst. Wenn du zusätzlich ständig dagegen ankämpfst, dass es so nicht sein dürfte, verbrauchst du weitere Kraft. Akzeptanz kann deshalb der Ausgangspunkt für Veränderung sein: Erst wenn ich sehe, was tatsächlich da ist, kann ich sinnvoll entscheiden, was ich damit tun möchte.

Im vollen Mama-Alltag schrumpft der Blick oft auf heute und morgen. Brotdosen, Termine, Wäsche, Arbeit und die Frage, wie alle halbwegs gut durch den Tag kommen. Zukunftsorientierung holt dich wieder ein Stück aus diesem Funktionsmodus heraus. Was möchtest du in deinem Leben noch erleben? Wie möchtest du als Frau, Mutter oder Berufstätige leben? Was soll in einem Jahr vielleicht ein wenig anders sein?

Dabei braucht es keine großen Lebenspläne. Schon ein kleines Ziel kann Richtung geben und dich daran erinnern: Dein Leben besteht nicht nur aus Anforderungen. Es gehört auch dir.

Wenn wir gestresst sind, kreisen Gedanken schnell um das Problem: Warum klappt das nie? Wieso bekomme ich das nicht hin? Was stimmt mit mir nicht? Lösungsorientierung fragt anders: Was wäre ein kleiner Schritt, der die Situation etwas besser machen könnte?

Vielleicht brauchst du keine perfekte Morgenroutine, sondern zehn Minuten mehr Puffer. Vielleicht muss nicht deine Belastbarkeit steigen, sondern eine Aufgabe verschwinden. Vielleicht braucht es ein Gespräch mit deinem Partner statt einen weiteren Versuch, alles allein zu organisieren. Die Lösung muss nicht sofort alles verändern. Sie darf klein sein.

Resilienz ist keine Einzeldisziplin. Beziehungen und soziale Unterstützung können eine wichtige Ressource sein. Für Mütter kann Netzwerkorientierung bedeuten, Hilfe nicht erst dann anzunehmen, wenn gar nichts mehr geht. Den Partner stärker einzubeziehen. Eine Freundin anzurufen. Die Großeltern um Unterstützung zu bitten. Einen Babysitter zu organisieren. Oder sich professionelle Begleitung zu suchen.

Gerade leistungsbereite Frauen erleben Hilfe manchmal unbewusst als Beweis dafür, dass sie es „nicht schaffen“. Dabei kann genau das Gegenteil gelten: Zu erkennen, wann ich Unterstützung brauche, ist eine Form von Kompetenz.

Selbstregulation beschreibt unsere Fähigkeit, mit Gefühlen, Gedanken, Anspannung und inneren Impulsen hilfreich umzugehen. Sie ist besonders wichtig, wenn dein Nervensystem durch Dauerstress ohnehin schon auf Hochtouren läuft.

Vielleicht kennst du es: An einem erholten Tag kannst du einen Wutanfall deines Kindes gut begleiten. An einem erschöpften Tag bringt dich dieselbe Situation innerhalb von Sekunden an deine Grenze. Selbstregulation bedeutet hier, Gefühle wahrzunehmen und Wege zu kennen, wie du wieder in einen regulierteren Zustand zurückfinden kannst. Dazu können Achtsamkeit, Bewegung, Atmung, Entspannung, ausreichend Erholung oder ganz persönliche Strategien gehören.

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig: Selbstverantwortung ist nicht Selbstbeschuldigung. Du bist nicht verantwortlich für gesellschaftliche Rollenbilder, schlechte Betreuungsbedingungen oder einen Arbeitgeber, der Vereinbarkeit erschwert. Du bist auch nicht schuld daran, wenn du nach Jahren hoher Belastung erschöpft bist.

Selbstverantwortung fragt stattdessen: Was liegt innerhalb meines Einflussbereichs? Welche Grenze möchte ich setzen? Welche Unterstützung kann ich organisieren? Welchen Anspruch darf ich überprüfen? Welche Entscheidung möchte ich treffen? Das kann sehr befreiend sein. Denn weder „Ich bin an allem schuld“ noch „Ich kann überhaupt nichts verändern“ machen dich handlungsfähig. Jenseits davon liegt ein großer Raum, in dem Selbstwirksamkeit entstehen kann.

Resilienz bedeutet nicht, noch mehr auszuhalten

Vielleicht merkst du beim Lesen schon: Resilienztraining ist kein weiteres Selbstoptimierungsprojekt. Es geht nicht darum, aus dir eine Mutter zu machen, die Mental Load, Schlafmangel, Zeitdruck und hohe Erwartungen einfach besser erträgt. Es geht darum, deine Ressourcen zu kennen, hilfreiche Einstellungen aufzubauen, Grenzen wahrzunehmen und wieder mehr Möglichkeiten zu sehen.

Resilienz kann also manchmal bedeuten, durchzuhalten. Sie kann aber genauso bedeuten, Nein zu sagen, Hilfe anzunehmen, einen Plan zu verändern oder etwas loszulassen. Eine Metaanalyse zu traitbezogener Resilienz fand einen Zusammenhang zwischen höherer Resilienz, besserer psychischer Gesundheit und weniger negativen psychischen Symptomen. Auch eine systematische Übersichtsarbeit zu Frauen in der Perinatalzeit fand Zusammenhänge zwischen Resilienz, psychischer Gesundheit, Bewältigung und sozialer Unterstützung. (Die Ergebnisse erlauben jedoch keine einfache Aussage, dass Resilienz psychische Erkrankungen verhindert.) Resilienz ist damit kein Versprechen, dass dich Belastungen nicht mehr treffen. Sie kann aber ein wichtiger Schutzfaktor dafür sein, wie du mit ihnen umgehst.

Dein eigener Resilienzweg als Mama

Vielleicht hast du beim Lesen sofort einen Bereich erkannt, der bei dir schon ziemlich stark ausgeprägt ist. Und vielleicht gibt es einen anderen, bei dem du denkst: Oh ja. Genau da hänge ich fest. Das ist völlig in Ordnung.

Du musst nicht in allen sieben Bereichen perfekt sein. Vielleicht ist deine Netzwerkorientierung stark, aber du bist sehr streng mit dir selbst. Vielleicht kannst du hervorragend Lösungen finden, hast aber Schwierigkeiten damit, Situationen anzunehmen, die du nicht verändern kannst. Oder du funktionierst im Hier und Jetzt so gut, dass deine eigenen Wünsche für die Zukunft kaum noch vorkommen.

Genau darin liegt der praktische Wert dieses Modells: Es gibt dir keine weitere Messlatte. Es kann dir vielmehr helfen zu verstehen, wo deine Ressourcen bereits liegen und wo Entwicklung gerade besonders hilfreich sein könnte.

Mein Resilienztraining für Mütter

Als Psychologin und zweifache Mama weiß ich selbst, wie viel Mutterschaft gleichzeitig bedeuten kann: Liebe und Überforderung, Sinn und Erschöpfung, Freude und manchmal auch das Gefühl, sich selbst irgendwo zwischen all den Anforderungen verloren zu haben.

Wenn du ständig funktionierst, schnell gereizt bist oder dich selbst zwischen Kindern, Arbeit und Haushalt kaum noch wiedererkennst, kann mein 1:1-Coaching oder mein Resilienztraining für Mütter dein erster Schritt sein. Du lernst deine persönlichen Stressmuster besser kennen, stärkst die verschiedenen Resilienzfaktoren und entwickelst Strategien, die zu deinem tatsächlichen Mama-Alltag passen.

Links und Quellen

  1. Hu, T., Zhang, D., & Wang, J. (2015). A meta-analysis of the trait resilience and mental health. Personality and Individual Differences, 76, 18–27. https://doi.org/10.1016/j.paid.2014.11.039
  2. Hiebel, N., Rabe, M., Maus, K., Peusquens, F., Radbruch, L., & Geiser, F. (2021). Resilience in adult health science revisited: A narrative review synthesis of process-oriented approaches. Frontiers in Psychology, 12, 659395. DOI: 10.3389/fpsyg.2021.659395.
  3. Hajure, M., Alemu, S. S., Abdu, Z., et al. (2024). Resilience and mental health among perinatal women: A systematic review. Frontiers in Psychiatry, 15, 1373083. DOI: 10.3389/fpsyt.2024.1373083.
  4. Reichhart, T., & Pusch, C. (2023). Resilienz-Coaching: Ein Praxismanual zur Unterstützung von Menschen in herausfordernden Zeiten. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-37432-7

Foto: Unsplash, James Wheeler

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